Käufer
Feilschen – eine flexible Preisspanne
Der Unterschied zwischen Käufer und Verkäufer ist, dass der erste so wenig wie möglich geben, der zweite aber so viel wie möglich bekommen möchte. Das ist die Grundlage des Handelns. Der Verkäufer wird auf einem Markt immer mehr fragen, als er insgeheim erhofft.
Das Feilschen gehört in den meisten Ländern der Welt einfach zum richtigen Marktverhalten und nichts wird gekauft ohne vorher darüber verhandelt zu haben. In einigen Ländern gilt es sogar als beleidigend, wenn man widerstandslos bezahlt. Im Feilschen liegt Kunst, Spaß und auch Erfolgserlebnis. Denn wenn richtig gefeilscht wird sind hinterher beide Parteien zufrieden mit dem Resultat: der Verkäufer, der doch mehr bekommen hat als er erhoffte und der Käufer, der günstiger eingekauft hat als er erst dachte.
Das richtige Feilschen will jedoch gelernt sein. Man sollte zum Beispiel dem Händler nicht zeigen, wie hoch in Wirklichkeit das Interesse an dem Objekt wirklich ist. Eine möglichst neutrale Mimik ist hier sehr vorteilhaft. Ganz professionelle haben eine Schirmmütze tief in die Augen gezogen oder einen Sonnenbrille auf, um ihre Augen nicht zu zeigen, denn Erregung weitet die Pupillen und gewiefte Händler sehen das genau.
Auch die Fragestellung sagt schon viel über den Interessenten aus. Das beiläufige „Was kostet das denn?“ signalisiert sofort, er denkt, der Preis sei über seinen Wert. „Was ist Ihr letztes Preisangebot?“ sagt deutlich, hier will der Interessent noch ordentlich drücken.
Die richtige Formel gibt es eigentlich nicht. Am besten man verwickelt den Käufer in ein interessiertes Gespräch, lenkt zu einem anderen Objekt ab, und kehrt dann ‘nebenbei’ wieder zum eigentlichen Begierdestück zurück. Das erweitert das Feld des Verkäufers, er nennt mehrere Preise für verschiedene Objekte und Sie können dann eventuell ihn umgehen und sagen:“Vorhin hatten Sie aber einen niedrigeren Preis genannt.“ Zumindest bei Privatverkäufern, die nicht vom Handel und vom Feilschen leben, kann dieses eine gute Strategie sein. Aber auch bei professionellen, denn sie sehen, dass Sie sich Mühe geben und das Amusement drückt automatisch den Preis noch einmal.
Sammler und Jäger
Zuerst war der Mensch ein Sammler und Jäger. Er ernährte sich von Beeren und Wurzeln, von Hasen und Mammuts. Das tat er Jahrtausende lang – und wurde Teil seiner Charaktereigenschaft. Dabei hat sich im Laufe der Zeit jedoch das Sammeln der Frauen und das Jagen der Männer vermischt und heute tun beide beides gleichermaßen gern. Denn es ist immer noch Teil der Psyche des Menschen, Sammeln und Jagen zu wollen. Heute ist es nicht mehr das Mammut, was gejagt wird, sonder der Reichtum, die Trophäe oder der Ruhm schlechthin.
Und auf dem Flohmarkt trifft sich alles, was jagt und sammelt, leidenschaftlich gerne und bei dem einen oder anderen auch schon ausartend. Hier kann man seine bereits ins Unendliche gehende Sammlung erweitern, eine Sammlung vorsichtig starten und seinem Jagdinstinkt vollen Lauf lassen. Unkontrolliertes Gewühl in Kartons, an Ständen alles von jeder Seite betrachten und wissend dazu nicken, um dem Käufer zu zeigen, der Jäger weiß genau was er da in den Händen hält.
Die Beute wird liebevoll gedreht und gewendet, dann erst einmal wieder zurück gestellt, ein weiteres Objekt angesehen und beäugt, vielleicht etwas Desinteresse gezeigt – und dann noch einmal die erste Beute in die Hand genommen. Der Käufer wirkt irritiert – genau was der Jäger wollte. Erst jetzt wird nach dem Preis gefragt und eine Diskussion entsteht, warum der und nicht weniger, nicht mehr. Die Beute wird eingekreist, der Käufer ‘zermürbt’, damit er die Beute kostengünstiger frei gibt, als er vorhatte.
Hat der Schnäppchensammler seine Beute dann erstanden, packt er sie mit sichtlicher Freude und einem großen Triumpherlebnis in die Tasche, hält die Hand noch eine Weile drauf, damit er auch fühlt, dass er sie bekommen hat. Trifft er einen anderen im Jagdfieber, den er kennt, wird diesem sofort die tolle Beute unter die Nase gehalten, ihm groß und breit erzählt, welche Mühen es gekostet hat, die Beute für so wenig Geld zu bekommen. Und der Flohmarktbegeisterte freut sich noch den ganzen Tag über seine sagenhafte Errungenschaft. Er kehrt mit großer Beute heim.
Sammlerstücke
Das Objekt der Begierde
Endlich hat er das Buch gefunden. Es liegt etwas zerflettert in einer Kiste, ist staubig und sieht etwas lieblos aufbewahrt aus. Hier kann schon die erste Hürde zwischen Sammler und Verkäufer entstehen: wenn das Buch staubig ist und der Interessierte ein ärgerliches Gesicht zieht und seine Hände versucht, an dem Auslagentuch zu säubern.
Auch auf dem Flohmarkt, wo die verschiedensten Menschen und Kulturen aufeinander prallen, gibt es eine ungeschriebene Netiquette, die man für einen entspannten und erfolgreichen Bummel auf jeden Fall einhalten sollte. Dabei ist es wichtig, dem Händler zu zeigen, dass auch das zerfletterte Buch einen Wert hat, es respektvoll behandelt wird und nur weil es staubig ist, nicht ‘herunter zu putzen’.
Gerade Privatverkäufer geben hier oftmals liebgewonne Dinge weg, die irgendwann einmal eine bestimmte Bedeutung für sie hatten und jetzt einfach ‘mal endlich entsorgt’ werden müssen, aus Platzmangel oder aus Geldmangel. Und so manches gute Stück hat eine wunderbare Geschichte, die man sich ruhig höflich einmal anhören sollte.
Umgekehrt gilt natürlich auch, dass man sich von einem schlecht gelaunten Händler nicht anstecken lassen sollte, ihm vielleicht trotzdem mit einem Lächeln entgegenkommen und mit etwas gezeigtem Interesse zum Auftauen zu bringen. Dann ist das eigentliche Objekt gleich schon etwas näher gerückt und man kann es ‘in Angriff’ nehmen. Ein leichtes Entspannungsmanöver kann also ganz gut sein für einen muffeligen Verkäufer.
Auch sollte man nicht mit einer von dem fettigen Würstchen an der Frittenbude schmuddelig gewordenen Hand die Ware anfassen. Kein Händler möchte neugierigen Angrabschern hinterher wischen müssen. Ein kleckerndes Eis, dass einen Schokoladenfleck auf dem Schallpattencover hinterlässt ist eine Warenwertminderung und der Händler könnte darauf bestehen, dass Sie ihm den Wert ersetzen. Denn auch der Flohmarkt ist ein rechtlich geschützter Handelsplatz.
Will man seine Beute erstehen, sollte ruhig mit dem Händler darum verhandelt werden, die meisten wünschen dieses und haben ihren Spaß dabei. Und Sie bekommen die Ware eventuell günstiger als gedacht.
Wissend Unwissend
Ist man Sammler von bestimmten Objekten wie Porzellan, antikem oder anderen Wertgegenständen, ist es immer gut, sich vorher bestens vorzubereiten. Hier kann Unwissenheit fatal werden. Hat man an einem Stand die fehlende Tasse zu dem teuren Meissner Porzellan entdeckt, dann sollte man auch mit Kennerblick feststellen können, dass es sich hier um eine echte Meissner Porzellan-Tasse handelt und nicht einer Attrappe. Denn nichts ist ärgerlicher, als Zuhause stolz die Errungenschaft für doch letztendlich teures Geld zum Service zu stellen und festzustellen, es hat ein anderes Design und die Farbe ist auch nicht gleich.
Nun ist allerdings bei dem Kauf zu viel Wissen ungeeignet. Zumindest es zu zeigen. Denn der Verkäufer freut sich, wenn er etwas zu seinem guten Stück sagen kann, er es auf Herkunft und Alter datieren darf und so in ein interessantes Gespräch verwickelt wird. Einen Händler zu belehren ist dabei nicht unbedingt von Vorteil, weiß er doch, dass zum einen der Sammler auch gerne mal mehr Geld ausgibt, um an das Objekt seiner Begierde zu kommen und zum anderen er verärgert sein könnte und eventuell seine Ware dann gar nicht mehr verkaufen will. Denn es gibt auch immer noch Flohmarktverkäufer, die einen Bezug zu ihrer Ware haben, der stärker ist, als das Klimpern im Geldbeutel.
Wenn man allerdings dem Händler Interesse an seinen Ausführungen zeigt und dabei ein wenig von dem eigenen Wissen mit rüberbringt, wird er auch gerne mal ein interessantes Stück für Sie zurückhalten, eventuell einen Tipp geben, wer das gewünschte Objekt vielleicht hat und sich selber bemühen, hilfreich zu sein.
So ist es also gut, wenn man gut vorbereitet auf dem Flohmarkt stöbern geht, aber sein Wissen nicht an die große Glocke hängt, sondern sparsam damit umgeht und dem Verkäufer gegenüber zeigt, dass seine Stücke alle einen Wert haben, auch wenn man auf den ersten Blick sieht, dass dem nicht so ist.
Flohmarktbummel in Gesellschaft
Der Flohmarktfan wird immer lieber alleine gehen. Denn wenn er sich auf die Suche macht und intensiv alle Stände abgeht, in jeder Kiste wühlt und Objekte mit leuchtenden Augen betrachtet und überlegt, ob oder ob nicht kaufen, kann er keinen Partner gebrauchen, der nörgelt, weil es so voll ist, die Ware so dreckig und eigentlich alles nur Ramsch ist. Oder der Sammler geht von Stand zu Stand und die Begleitung bleibt ewig lange an einem anderen stehen, um sich den Bildband über das Innenleben einer Zelle anzusehen. Schließlich fühlt man sich ja ‘verpflichtet’ zusammen zu bleiben.
Hat man hingegen den richtigen Flohmarktpartner, sieht die Sache schon ganz anders aus. Zu zweit kann man auf die Jagd gehen, gegenseitig die richtigen Objekte auch für den anderen ‘erstöbern’ und eventuell bei einem Sammelkauf sogar noch mehr Preisnachlass erhalten. Man kann sich auch trennen und mit dem Mobiltelefon signalisieren:“Du, ich stehe gerade an Stand 15 und habe das Richtige für dich gefunden.“
In einer Gruppe zu gehen, ist nicht empfehlenswert. es sei denn, man stellt von vornherein klar, dass man sich trennt und nach einer gewissen Zeit sich irgendwo wieder trifft. Auch hier kann man sich eventuell über den Mobilfunk verständigen.
Es gibt auch so den einen oder anderen ‘Flohmarkt-Untauglichen’. Dazu gehören unter anderem Hunde, egal welche Größe. Für sie ist es uninteressant, kleine müssen eh getragen werden, weil sie bei den vielen Beinen sonst getreten werden können und große Doggen legen doch allzu gerne mal ihre Sabberschnauze auf die kostbare Ware. Auch kleine Kinder sind nicht die idealen Flohmarktbesucher. Besonders nicht, wenn sie noch im Kinderwagen oder der Karre sitzen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn einem über den Fuß gefahren wird, weil man ja keinen Ausweg hat. Größere Kinder hingegen könnten Flohmärkte interessant finden und sogar das eine und andere lernen.
Mitmenschen, die ihre erstandenen Schätze in Rucksäcken transportieren oder aber den Hackenporsche benutzen, sind ebenfalls sehr unangenehme Mitjäger. Ein Rucksack, mit Schwung gedreht, fegt nicht nur leicht die Brotstulle eines anderes Besuchers elegant aus dessen Hand, sondern kann auch die Ware beschädigen. Auch Raucher sind gefährliche Personen, bleibt in dem allgemeinen Gedränge doch so manches Merkmal eines unbekannten Glimmstängels in der Jacke. Oder aber es werden wertvolle Porzellanvasen als Aschenbecher benutzt!
Ausrüstung des Sammlers
Die Jäger und Sammler haben sich früher mit Sperr, Provianttasche und Transportmittel für das gejagte oder gesammelte ausgerüstet, dazu passende Kleidung und sie konnten den ganzen Tag – oder länger – ihre Beute verfolgen.
Heute rüsten sich Jäger und Sammler auf dem Flohmarkt auch aus, mit ähnlichen Dingen.
Kleidung:
Wichtig ist für einen ausgiebigen Flohmarktbummel bequeme Kleidung und Schuhe. Hierbei ist für Frauen eine Hose günstiger als ein Rock, denn viele Händler haben ihre Waren auf dem Fußboden ausgebreitet und nichts ärgerlicher, als wenn viele schmutzige Schuhe über den Rocksaum laufen. Auch sollte man nicht zu vornehm und ‘reich betucht’ aussehen, das könnte die Preise ungünstig nach oben verändern. Jacke und Mantel sollten ruhig mehrere Taschen haben, am besten mit Reißverschluss.
Im Sommer sollte unbedingt ein Sonnenhut und leichte, bedeckende Kleidung getragen werden. Nicht die Sonnencreme vergessen! Und die Sonnenbrille wird am besten an einem Band um den Hals getragen, damit sie nicht beim Auf- und Absetzen verloren geht.
Im Winter gilt warme Kleidung, am besten mit Fingerhandschuhen, Mütze und einem warmen Schal, denn der Kreislauf läuft bei einem langsamen Bummel auch nicht auf Hochtouren.
Bei Regen ist Regenjacke, Gummistiefel und ein kleiner Schirm angebracht, den auch in die Tasche gesteckt werden kann. Bei richtigem Regen ist ein Caféhaus-Bummel sowieso angebrachter. Wichtigstes Element sind die Schuhe. Sie sollten bequem sein und geeignet für jeden unebenen Parkplatz-und Wiesenboden.
Ausrüstung:
Je nach dem was ‘gejagt’ wird, braucht man verschiedene Ausrüstungen. Ein Notizbuch mit Bleistift kann von Vorteil sein, um sich Notizen vorher und während des Besuches zu machen. Eine Taschenlampe hilft, in dunklen Kisten in ebenso dunklen Parkhäusern besser die Schallplattentitel zu lesen. Auch eine Checkliste ist praktisch, wenn man eine Sammlung vervollständigen will. So kann man kontrollieren, was man schon hat, was man noch braucht. Ein Magnet kann bei der Prüfung von Metallen nützlich sein, beispielsweise zur Kontrolle von Messing, der ihn abstößt. Ein Handy mit Cam ist wichtig, wenn man für wen anderen mit guckt und ihm dieses schnell zusenden möchte, um zu sehen, ob man es ihm mitbringen soll.
Transport:
Eine Tasche mit Reißverschluss, ein Beutel oder auch kleiner Rucksack sind gute Transportbehältnisse. Dabei sollte man nichts durchsichtiges haben, da es sich ungünstig auf das Feilschen auswirken kann, wenn der Händler genau sieht, was man schon alles gesammelt hat. Für den Abtransport sollten für größere Dinge im Auto Spanngurte vorrätig sein.
Auch zusammenklappbare Boxen sind sehr praktisch. Für zerbrechliche Dinge sollte auf jeden Fall etwas polsterbares wie Stofflappen oder auch Plastikfolie mit Luftkissen vorhanden sein.
Zahlungsmöglichkeiten – Nur Bares ist Wahres?
Wie bei jedem Handel und Geschäft, muss auch auf dem Flohmarkt irgendwann das schwer erarbeitet Geld seinen Besitzer wechseln. Spätestens nämlich dann, wenn das richtige Objekt gefunden ist und dann sein eigen genannt werden soll. Anders als im Supermarkt oder in anderen Geschäften, kann man hier nicht mit der Kreditkarte zahlen, denn welcher Flohmarktstand hat schon einen elektrischen und Telefonanschluss für das dazu benötigte Gerät.
Frei nach dem Motto „Geld stinkt nicht“ nimmt der Flohmarkthändler am liebsten Bares. Dabei ist schon der Anblick eines Scheins ein Anlass, dass die Augen des Händlers eine andere Farbe und Größe annehmen. Wedelt man schon während der Verhandlung – kurz vor Schluss – mit einem Scheinchen in der Hand (man kann auch ‘gedankenverloren’ mit ihm spielen), könnte es durchaus reduzierende Wirkung auf den Kaufpreis haben. Sofern der Schein kleiner ist, als die Preisforderung!
Kurz vor Marktende könnte es schwierig werden, einen zu großen Schein noch getauscht zu bekommen. Man sollte also auf jeden Fall bis zum Schluss etwas Kleingeld in der Tasche haben, damit nicht ausgerechnet dann einem das Teil ‘durch die Lappen’ geht, was man eigentlich den ganzen Tag gesucht hat.
Was sollte der Sammler auf jeden Fall haben an Geld? Ein- und Zwei-Euro-Münzen, fünf und zehn-Euro-Scheine, eventuell auch 20-Euro-Scheine. Alles was höher ist, wird nicht so gerne angenommen. Auch weil der Händler nicht kontrollieren kann, ob ihm da nicht eine ‘Blüte’ untergejubelt wird.
Es kommt natürlich auf den Markt drauf an, auf einem Antikmarkt sind die Preise ganz anders und dort bekommt man für einen Euro recht wenig.
Geht man auf einem Flohmarkt, der in einer Halle organisiert ist – viele Antikmärkte -, kann man auch oftmals mit Kreditkarte zahlen. Der Cheque hat heute auch auf dem Flohmarkt keinen Stellenwert mehr, allenfalls als Reisecheque im Ausland.
Achtung! Schwups, der Taschendieb, sieht schnell, wo Sie ihre vielen kleinen Scheine hineinstecken. Ein sicherer Ort ist hier wichtig, der Geldgürtel oder die Brusttasche sind ideal


